← zurück zum Wiki
Die Sahen (Vorgeschichte)
Bevor die Menschen kamen, bewohnten die Sahen nicht die Wüste, sondern das gesamte Gebiet des heutigen Solmere – die fruchtbaren Ebenen am Aurel, die heute Valcortis, Silberfurt und Goldhain tragen. Ein hochgebildetes, friedfertiges Volk mit reicher Kultur, das durch den Überfluss der Ebenen nie Mangel kannte. Diese Bildungstradition ist der eigentliche Ursprung dessen, was die Menschen heute als "nützliche Fähigkeiten" an ihnen schätzen und ausbeuten – Wissen, das einst frei geteilt wurde, wird heute erzwungen in den Dienst der Unterdrücker gestellt.
Regiert wurden die Sahen als Republik vom Sonnenrat (Solyn-Ashar), gewählt aus den gebildeten Ständen: die Lichtgeweihten (Priesterschaft, Hüter der Sonnenlehre), die Gelehrten (Lehrer und Verwalter des Wissens), die Weber (Handwerker, Künstler, Kaufleute) und die Erdgebundenen (Feldarbeiter – der niedrigste Rang, aber nicht verarmt).
Die Sahen verehrten Solyra, die Sonne selbst als lebendige, wachsame Gottheit. Zentral war die Lehre vom Großen Brand: der Glaube, Solyra werde eines Tages alles verbrennen, würde sie nicht fortwährend besänftigt. Das äußerte sich in der Sonnenweihe, einem Ritual lebendiger Opfergaben – aus Sahen-Sicht keine Strafe, sondern eine heilige, freiwillig übernommene Pflicht Einzelner gegenüber der ganzen Gemeinschaft. Der Überlieferung nach drohte Solyra einst, alles zu verzehren, weil man ihr Licht als selbstverständlich hinnahm, bis eine Priesterin namens Nyra sich freiwillig als erstes Opfer anbot und Solyras Zorn für ein Jahrtausend besänftigte. Seither gilt die Sonnenweihe als Nyras Vermächtnis, nicht als Strafe.
Ein sprachliches Detail: Die Namen Solmere und Solhaven, die die menschlichen Eroberer den Städten gaben, tragen unbewusst noch die Wurzel "Sol" aus der Sahen-Sprache – ein Echo des verdrängten Volkes, das im Namen der eigenen Unterdrücker weiterlebt, ohne dass die Menschen es wissen.