Die Valmora Chroniken
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Der Bruderkrieg & die Wahlmonarchie

Nach knapp drei Generationen Maldrin-Herrschaft starb der amtierende König unerwartet. Seine beiden Söhne stritten um die Thronfolge, die großen Häuser verbündeten sich mit je einem der Anwärter, und es folgte ein siebenjähriger Bürgerkrieg (112–119 n.G.). Aschkron wurde bei den Kämpfen vollständig zerstört und niedergebrannt – bis heute liegen dort nur noch verfluchte Ruinen. Am Ende starben beide Thronanwärter in einer letzten großen Schlacht, die Blutlinie war ausgelöscht. Der Kronrat und Aldric I.: In dieser Lage hatte Haus Corveth, unter seinem Oberhaupt Aldric, die entscheidende Idee: einen Kronrat aus allen hohen Häusern einzuberufen, der fortan den König bestimmen sollte. Der Vorschlag wurde angenommen, Aldric wurde als erster Wahlkönig Valmoras bestätigt (Aldric I. – der heutige König Aldric III. trägt seinen Namen in bewusster Tradition). Die Hauptstadt wurde von den Ruinen Aschkrons weg an die Flussgabelung im Süden verlegt, das heutige Valcortis – praktisch und zugleich symbolisch die endgültige Verschiebung der Macht nach Süden, eine Erzählung vom "kultivierten" Süden und "wilden" Norden, die der Süden bis heute pflegt. Zugleich verständigten sich die südlichen Häuser im Geheimen darauf, bei jeder künftigen Wahl stets ein Südhaus zu bevorzugen, um eine Rückkehr "der Schreckensherrschaft des Nordens" zu verhindern. Die jährlichen Razzien gegen die Kharg wurden in formalisierter Form fortgeführt: Das Fußvolk stellte fortan der Norden, die Kommandanten der Süden – eine Rollenverteilung, die bis heute gilt. Das Wissen der überlebenden Sahen nutzten die südlichen Lords fortan gezielt als Verwalter, Lehrer und für andere Dienste. Warum seither immer der Süden regiert: Seit dem Bruderkrieg saß nie wieder ein Nordhaus auf dem Thron. Mehrere südliche Häuser haben die Krone seither getragen – Corveth ist nur das aktuelle, am längsten bestätigte –, aber nie ein nordisches. Der Grund ist mehr als wirtschaftliches Kalkül: Der Untergang von Haus Maldrin gilt im Süden bis heute als Beweis, dass nordische Herrschaft ins Chaos führt – aus Sicht des Nordens eine Kollektivstrafe für die Taten eines einzigen, seit fast zwei Jahrhunderten toten Hauses, doch ein Misstrauen, das sich auf eine reale, traumatische Vorgeschichte stützt. Warum es sich trotzdem wie Erbfolge anfühlt: Formal wählt der Kronrat bei jedem Thronwechsel neu. Real wurde Corveth als erstes Haus gewählt und seither über Generationen hinweg immer wieder bestätigt, sodass die Krone in der gelebten Erfahrung der meisten Menschen "schon immer" bei Corveth lag. König Aldric III. ist der Erste seit Menschengedenken, der ohne Erben stirbt – und macht damit aus einer bloßen Formsache zum ersten Mal seit Generationen wieder eine echte Machtfrage. Wie sich das strukturell hält: Zusätzlich zum Misstrauen aus dem Bruderkrieg liegt das Kronrecht – das Stimmrecht im Kronrat – auch praktisch bei den großen Südhäusern: eine Folge der Nachkriegsordnung, in der wirtschaftliche und militärische Beitragskraft über Stimmgewicht entschied und der Süden seither strukturell im Vorteil blieb. Die Nordhäuser haben dadurch nie eine reale Chance auf die Krone, weil sich die Südhäuser untereinander vorab abstimmen ("Kungelei") – verstärkt durch das kollektive Misstrauen gegenüber nordischer Herrschaft seit Maldrins Fall.